Sprungmeeting 2013

Berichte aus der Heilbronner Stimme

Auf der Höhe: Im dritten Versuch überquert Marie-Laurence Jungfleisch die 1,95 Meter − und schafft damit die Norm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in Moskau.Fotos: Mario Berger
Auf der Höhe: Im dritten Versuch überquert Marie-Laurence Jungfleisch die 1,95 Meter − und schafft damit die Norm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in Moskau.Fotos: Mario Berger

30.05.2013 | Aktuell | Albrecht Schwidurski / sb
Marie-Laurence Jungfleisch hakt WM-Norm ab

Großer Jubel bei Deutschlands derzeit bester Hochspringerin: Marie-Laurence Jungfleisch (LAV Stadtwerke Tübingen) hat am Donnerstag beim Springer-Meeting in Eppingen die Norm für die Weltmeisterschaften in Moskau (Russland; 10. bis 18. August) abgehakt. Mit einem sauberen Satz über 1,95 Meter erfüllte sie auf den Punkt den für die WM geforderten Richtwert.

Marie-Laurence Jungfleisch meisterte bei ihrem Auftritt in Eppingen alle Höhen im ersten Versuch und musste nur bei 1,95 Meter dreimal anlaufen. Dies gelang ihr aber so gut, dass ganz deutlich wurde: Hier ist noch Luft nach oben. „Jetzt kann ich die nächsten Wettkämpf ohne den Norm-Druck angehen“, jubelte Marie-Laurence Jungfleisch.

Die Neu-Tübingerin hat noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Sowohl im Anlauf als auch im Absprung präsentierte sie sich sehr sicher – nicht zuletzt dank ihrer Zusammenarbeit mit ihrem Trainer Tamas Kiss, mit dem sie ein gutes Team bildet. Auch die Anwesenheit ihrer Familie verlieh Marie-Laurence Jungfleisch am Donnerstag Auftrieb.

Platz zwei hinter der WM-Kandidatin ging an Julia Straub (TSV Bayer 04 Leverkusen), die ihre Saison-Bestleistung auf eine Höhe von 1,86 Meter schraubte.

Martin Günther zufrieden

Bei Martin Günther (LG Eintracht Frankfurt) lief der Wettkampf mit der Siegeshöhe von 2,24 Metern sehr zufriedenstellend. Bis 2,18 Meter konnte er alle Sprünge im ersten Versuch überspringen. Bei 2,26 Metern touchierte er im dritten Versuch nur leicht die Latte, die dann aber leider doch runterfiel. “Der Wettkampf war für mich sehr positiv“, sagte Martin Günther, der als nächstes Ziel die Teilnahme an der Team-EM ausgab.

Für U20-Vize-Weltmeister Falk Wendrich (TV Wattenscheid 01) war der Wettkampf nach einer Höhe von 2,15 Metern verletzungsbedingt beendet. „Bei 2,18 Meter bin ich beim Absprung etwas zu tief von unten gesprungen, was sonst nicht der Fall ist“, erklärte Falk Wendrich, der insgesamt mit seinem Anlauf haderte.

 

 

Auf der Höhe: Im dritten Versuch überquert Marie-Laurence Jungfleisch die 1,95 Meter − und schafft damit die Norm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in Moskau.Fotos: Mario Berger
Auf der Höhe: Im dritten Versuch überquert Marie-Laurence Jungfleisch die 1,95 Meter − und schafft damit die Norm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in Moskau.Fotos: Mario Berger

Von Eppingen nach Moskau

Von unserem Redakteur Eric Schmidt

Leichtathletik - Ihr Blick geht sofort zurück. "Bitte, bitte bleib’ oben", sagt Marie-Laurence Jungfleisch zu sich im Stillen und schaut hinter sich. Die gelb-blaue Latte im Kraichgaustadion wackelt und wackelt, sie zittert und zittert − aber sie fällt nicht. Sie will einfach nicht nach unten. Jubelnd reißt Jungfleisch die Arme hoch. Lächelnd schüttelt sie den Kopf und vergräbt mit beiden Händen ihr Gesicht. "Endlich! Das ist eine große Erleichterung", sagt die junge Hochspringerin der LAV Stadtwerke Tübingen.

Marie-Laurence Jungfleisch hat es geschafft: Sie hat tatsächlich die Norm für die Leichtathletik-WM in Moskau erreicht. Dank der 1,95 Meter, die sie gestern Nachmittag beim 17. Nationalen Sprungmeeting des TV Eppingen überquert, erfüllt sie die Verbandsvorgabe für die Weltmeisterschaft − Jungfleisch ist quasi im Direktflug von Eppingen nach Russland gestartet, wo sie im August zum ersten Mal in ihrer Karriere an einer WM teilnehmen wird.

Gratulation

Der Jubel im Kraichgaustadion ist groß. Bundestrainerin Brigitte Kurschilgen fällt der 22-Jährigen um den Hals, Meeting-Organisatorin Andrea Pottiez umarmt sie von Herzen. Auch Peter Schramm, der Sportdirektor des Hochsprungmeetings in Eberstadt, gratuliert − mit netten Worten und einer Flasche Sekt. "Ich habe diese Flasche extra wegen Marie mitgebracht. Ich hab’ mir gedacht, dass sie es schafft", sagt Schramm. "Marie hat schon beim Trainingslager auf Teneriffa gezeigt, dass sie gut in Form ist. Und die 1,95 Meter sind nicht das Ende der Fahnenstange ", lobt Kurschilgen die junge Frau.

Eppingen ist ihr Revier. Ihr ganz persönlicher Höhenort. 2010 überraschte Marie-Laurence Jungfleisch mit einem Stadionrekord (1,90 Meter) die Konkurrenz, 2011 sorgte sie mit 1,93 Meter für Aufsehen. Nun sind es in diesem Jahr die 1,95 Meter geworden. Wieder deutsche Saisonbestleistung. Wieder Stadionrekord. Und erstmals die WM-Norm. Es ist, als ob es auf der Anlage im Kraichgaustadion unterirdische Sprungfedern gibt. "Ich weiß nicht, woran es liegt. Aber Eppingen ist perfekt für mich. Die Anlage ist schön, ich mag auch das Familiäre hier", sagt Jungfleisch.

Sie fühlt sich wohl, es ist ihr anzusehen. Die 1,74 Meter? Kein Problem. Diese Höhe meistert sie ebenso im ersten Versuch wie die 1,82, 1,86 und 1,90 Meter. Die Flughöhe für Moskau stimmt. In Absprache mit Brigitte Kurschilgen verzichtet Jungfleisch anschließend auf 1,92 Meter und steigert sofort auf 1,95 Meter. Der erste Versuch geht daneben, der zweite scheitert knapp − bis es dann im dritten Anlauf klappt.

Der perfekte Sprung? "Die ersten beiden Schritte beim Anlauf waren anders als sonst. Das musste ich irgendwie noch ausgleichen", erklärt die 22-Jährige. "Dann hat sich alles nur noch gut angefühlt." Jetzt, ohne den Druck der WM-Norm im Nacken, will sie diese Leistung bestätigen − vielleicht schon in den nächsten Tagen, beim Meeting in Rom. Ihr ganz persönliches Ziel sind die 1,96 Meter − weil sie eine Wette mit ihrem Trainer Tamas Kiss laufen hat. "Wenn ich in diesem Jahr zwei Mal die 1,96 Meter schaffe, darf ich nächstes Jahr zum Trainingslager nach Kuba", sagt Jungfleisch.

Eppingen, klar, steht fest in ihrem Terminkalender. Und natürlich wird sie wiederkommen. Als einzige Athletin hat sie vom Veranstalter gestern eine Startnummer erhalten. Die 195 ist’s gewesen − 195 wie 1,95. So etwas vergisst man nicht. "Es war ein gutes Omen", sagt Jungfleisch.

 

 

 

195: Die Glückszahlen im Eppinger Kraichgaustadion.
195: Die Glückszahlen im Eppinger Kraichgaustadion.

Jungfleisch springt die WM-Norm

Leichtathletik - Die gelb-blaue Latte im Kraichgaustadion wackelt und wackelt − aber sie fällt nicht. Jubelnd reißt Marie-Laurence Jungfleisch die Arme hoch. "Endlich! Das ist eine große Erleichterung", sagt die junge Hochspringerin der LAV Stadtwerke Tübingen. Marie-Laurence Jungfleisch hat es geschafft: Sie hat die Norm für die Leichtathletik-WM in Moskau gepackt. Dank der 1,95 Meter, die sie gestern Nachmittag beim 17. Sprungmeeting des TV Eppingen überquert, erfüllt sie die Verbandsvorgabe für die Weltmeisterschaft − Jungfleisch ist quasi im Direktflug von Eppingen nach Russland gestartet, wo sie im August zum ersten Mal in ihrer Karriere an einer WM teilnehmen wird.

Bundestrainerin Brigitte Kurschilgen fällt der 22-Jährigen um den Hals. "Marie hat schon beim Trainingslager auf Teneriffa gezeigt, dass sie gut in Form ist. Und die 1,95 Meter hier sind nicht das Ende der Fahnenstange ", lobt Kurschilgen.

Eppingen ist ihr Revier. Ihr ganz persönlicher Höhenort. Deutsche Saisonbestleistung. Stadionrekord. Und erstmals die WM-Norm. "Ich weiß nicht, woran es liegt. Aber Eppingen ist perfekt für mich. Die Anlage ist schön, ich mag auch das Familiäre hier", sagt Jungfleisch.

Der erste Versuch über 1,95 Meter ging daneben, im zweiten scheitert sie knapp − bis es im dritten klappt. Jetzt will sie diese Leistung bestätigen − vielleicht schon in den nächsten Tagen, beim Meeting in Rom. Ihr Ziel sind 1,96 Meter. esc

 

 

Gewann den Hochsprung der Herren: Martin Günther. Foto: Mario Berger
Gewann den Hochsprung der Herren: Martin Günther. Foto: Mario Berger

Ich fühle mich sehr wohl hier in Eppingen"

Leichtathletik - Er kommt gerne auf einen Sprung vorbei: Martin Günther gewann gestern die Hochsprungkonkurrenz des 17. Nationalen Sprungmeetings in Eppingen − und stellte mit 2,24 Metern eine neue deutsche Saisonbestleistung auf. "2,24 Meter bin ich erst einmal im Freien gesprungen", sagte Günther im Gespräch mit unserem Redakteur Eric Schmidt.

Herr Günther, sind Sie eigentlich zufrieden oder unzufrieden mit ihren 2,24 Metern?

Martin Günther: Gute Frage. Teils, teils. Im Vergleich zur vergangenen Woche beim Wettkampf in Rehlingen mit acht Grad und Dauerregen war’s super. Aber ärgerlich ist, dass ich drei Mal so knapp an den 2,26 Metern gescheitert bin.

Aber alles in allem sah es doch sehr gut aus, oder?

Günther: Ja, wir haben gut trainiert, gut gearbeitet. Ich bin relativ verletzungsfrei durch den Winter gekommen. Heute habe ich vielleicht zu früh angefangen, bin mit einer zu niedrigen Höhe in den Wettkampf eingestiegen. Hinten raus hab’ ich dann gemerkt, dass mir etwas die Kraft fehlt.

Hatten Sie Bedenken, dass das Wetter schlecht sein könnte?

Günther: Ich hab’ den Wetterbericht im Internet verfolgt. Und ich habe es selten erlebt, dass es beim Sprungmeeting in Eppingen regnet − warum auch immer. Deshalb habe ich mich darauf gefreut. Ich komme immer sehr gerne hierher. Die Stimmung ist gut, das Publikum geht mit, die Anlage ist sehr gut. Ich fühle mich sehr wohl.

Wie geht es jetzt weiter für Sie?

Günther: Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wo ich als nächstes springen werde. Entweder in Regensburg oder in Rabat in Marokko − wenn ich das Glück habe, da reinzukommen. In Marokko wird das Wetter definitiv gut sein.

31. Mai 2013

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Gute Ergebnisse: Magdalena Polster und Sophie Zaiß (rechts).
Gute Ergebnisse: Magdalena Polster und Sophie Zaiß (rechts).

Die Rechen-Aufgabe des Abiturienten

Von unserem Redakteur Eric Schmidt

Leichtathletik - Felix Mairhofer sah irgendwie anders aus gestern. Statt einer Sporthose trug der Dreispringer des TV Eppingen eine Trainingshose, statt eines Sport-Shirts hatte er ein gelbes Helferhemd an. Nicht im Athletenzelt hielt sich der 18-Jährige auf, sondern in der Weitsprunggrube − mit einem Rechen in der Hand. "Ich darf heute helfen", sagte Mairhofer.

Es ist wie verhext mit ihm und dem Nationalen Sprungmeeting des TV Eppingen: Seit drei Jahren ist in die Veranstaltung im Kraichgaustadion ein Dreisprungwettbewerb integriert, doch Lokalmatador Felix Mairhofer konnte mit den anderen jungen Hüpfern erst einmal auf Weitenjagd gehen. Wie schon 2011 musste der junge Mann auch gestern passen − dieses Mal wegen einer Oberschenkelverletzung.

"Es ist ärgerlich, wenn man bei der eigenen Veranstaltung zuschauen muss. Ich wäre gerne hier gesprungen", sagte Mairhofer, betonte aber: "Das Risiko ist mir noch zu groß gewesen." Passiert ist es nicht im Training, sondern in der Schule. Beim Sport-Abitur stand die Disziplin "Fußball" auf dem Programm. Zusammen mit den anderen Abiturienten rannte Mairhofer dem Ball hinterher − und fing sich eine Zerrung ein. Aus, vorbei. Der zweite Teil der Prüfung, der Weitsprung und die 100 Meter, musste erst einmal verschoben werden.

Perspektiven Was die Dreisprung-Saison betrifft, so kommt die Zwangspause zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Schon einmal, von Januar bis März, musste Mairhofer aussetzen − ebenfalls wegen einer Verletzung. Wer weiß, was möglich gewesen wäre, wenn er diese Zeit fürs Training hätte nutzen können. "Ich war gut drauf", sagt Mairhofer. "Ich hätte ihm die 15,50, 15,60 Meter zugetraut", erklärt Trainer Peter Bergdolt und ergänzt: "Wenn dir 20, 30 Einheiten fehlen, ist es schwierig, das aufzuholen. Da ist die Saison schon fast gelaufen."

Felix Mairhofer gibt nicht auf. Er denkt wie ein Dreispringer − und will es so weit wie möglich bringen. Nächste Woche steigt ein Meeting in Stuttgart, vielleicht versucht er’s da bereits mit einem Comeback. Wenn nicht, gäbe es am 29./30. Juni noch die DLV-Junioren-Gala in Mannheim. Sein großes Ziel ist aber die DM im Juli in Rostock. "Der Fokus liegt bei mir auf der deutschen Meisterschaft", sagt Mairhofer. An eine Qualifikation zur U20-EM verschwendet er keine Gedanken.

Gestern, immerhin, hielt sich der Abiturient bei den Rechen-Aufgaben in der Sandgrube fit. Auch das kann Spaß machen − vor allem, wenn die Vereinskollegen des TVE überzeugen. Luca Becker (15) steigerte sich kontinuierlich und ließ 11,97 Metern 12,10 und 12,20 Meter folgen. Im letzten Versuch steigerte er seine Bestleistung gar auf 12,33 Meter. "Endlich war das Wetter mal gut. Beim letzten Wettkampf hatte es zehn Grad und es hat geregnet", sagte Becker und meinte: "Schade, dass Felix nicht mitgesprungen ist. Wenn er dabei gewesen wäre, hätte mich das vielleicht noch gepusht."

Vielleicht klappt’s ja 2014 − beim 18. Nationalen Sprungmeeting.

Sandarbeit: Felix Mairhofer ist als Helfer in der Weitsprunggrube im Einsatz.
Sandarbeit: Felix Mairhofer ist als Helfer in der Weitsprunggrube im Einsatz.
Gut gelandet: Luca Becker vom TV Eppingen stellt mit 12,33 Metern eine neue persönliche Bestleistung auf. Ganz oben im Dreisprungwettbewerb platziert sich Andreas Graber (Schweiz) mit 15,54 Metern.Fotos: Alexander Bertok
Gut gelandet: Luca Becker vom TV Eppingen stellt mit 12,33 Metern eine neue persönliche Bestleistung auf. Ganz oben im Dreisprungwettbewerb platziert sich Andreas Graber (Schweiz) mit 15,54 Metern.Fotos: Alexander Bertok

Polster, Zaiß und die Spendierhosen

Leichtathletik - Es ging weit. Sehr weit sogar. So weit wie noch nie. Beim Dreisprung-Wettbewerb des 17. Nationalen Sprungmeetings landete Magdalena Polster vom TV Eppingen bei 11,19 Metern. Für "Leni", wie die 16-Jährige gerufen wird, eine neue persönliche Bestleistung.

"Sie hat eine sehr gute Serie hingelegt, mit mehreren Elfmeter-Sprüngen", lobte Trainer Peter Bergdolt die junge Hüpferin. 11,00 Meter, 11,01 Meter, 11,19 Meter − so lautete die Elfer-Reihe von Magdalena Polster. Dazwischen gab es 10,60 und 9,80 Meter − sowie einen ungültigen Versuch. Ihre beste Weite stellte sie gleich im ersten Durchgang auf. "Das ist eigentlich immer so bei mir", sagte Polster.

Die Eppingerin fiel nicht nur durch gute Sprünge, sondern auch durch gute Taten auf. Weil Konkurrentin Sophie Zaiß (TG Ötigheim) ihre Sporthose vergessen hatte, lieh Polster ihr eine aus. "Ich habe zu Hause bei meiner Mutter angerufen, und sie hat die Hose dann vorbeigebracht." Mit Erfolg: In ihren Spendierhosen schaffte es Zaiß auf 11,12 Meter − so weit war sie schon lange nicht mehr gesprungen. esc